Matthias Kunath | 9 Juli 2026

Von Träumen und Schäumen in Büsserach

Samstagmorgen. Der Wecker reisst mich jäh aus meinen Träumen. Ich bin spät dran. Für das samstägliche Turnier habe ich Mitfahrer, die allesamt pünktlich auf mich warten. Neun Uhr dreissig geht’s los und Büsserach ist nicht gerade um die Ecke. Wenn vier kubb-hungrige die morgendliche Anfahrt ins Schwarzbuebeland hinter sich bringen, bleibt Zeit zum Träumen. Was heute wohl gehen wird, bei all den «mixed Teams», die so ein Turnier am Rande des Kubbtour-Epizentrums mit sich bringt? «Schwer einzuschätzen», meint einer meiner Mitfahrer, den Blick nachdenklich der vorbeiziehenden Landschaft gewidmet. Der Smetterling in meinem Auto frohlockt wohl der Möglichkeiten des anbrechenden Tages.
 
Als wir ankommen, beginnt sich der Sportplatz am Schulhaus Kirsgarten allmählich zu füllen, während die Sonne schon hoch über den Dächern von Büsserach auf uns nieder grinst. ‹Schon schön hier›, denke ich. Meine Gedanken schweifen über die Hügelketten, innerlich den Schwarzbueben Respekt zollend, die nahezu jedes Wochenende eine gefühlte Weltreise hinter sich bringen. Aus meiner kurzen Absenz der Aufmerksamkeit zurückkehrend, nehme ich aus den Augenwinkeln wahr, wie sich Hände in die Höhe recken, um Fäuste wickeln und Schulter umschlingend zu klopfen beginnen. Ein scheues Winken hier, ein freundschaftlicher Handschlag da oder sogar eine herzliche Umarmung als Willkommensgruss der überaus vielfältigen Kubbtour-Szene. Der Platz hat sich gefüllt, der Tag wird heiß, kann losgehen.
 
Während den sieben Vorrunden studiere ich ab und zu den Modus. Die zwei besten Teams unserer Gruppe, sowie die zwei Besten der anderen siebenerer Gruppe qualifizieren sich direkt für die Viertelfinals und spielen anschliessend zwei Rangierungsrunden um die beste Wahlmöglichkeit des Viertelfinalgegners.
Der Rest kann liegengelassene Punkte in den zwei Zwischenrunden aufbessern. Dazu werden in KO-Manier die Reste-Besten der Einen gegen den Tabellenkeller der anderen Gruppe gepaart. Anschliessend entscheidet eine Gesamtrangliste beider Gruppen, wer sich für die Viertelfinals zur Wahl stellen kann.
 
Mein Blick ruht wohl schon zu lange auf dem Bildschirm, als ein fordender Ruf meines Namens die schlafmangel-bedingte Latenz unterbricht. Wir waren spät dran und hatten wohl den Start des Spiels gegen «Päckli-Fisch» um entscheidende Minuten verzögert. Auch verzögert gelingt uns ein akzeptabler Auftritt und wir vergeben einen Königswurf ala Sure-Shot. Für uns ein kleines Highlight des Tages.
 
Die Pausen vergehen zügig, was mich dazu bringt, die anderen Partien während des laufenden Spiels zu beobachten. Im Schittli-Cup bleibt es, wie schon die Jahre zuvor, bei sieben Runden Schoch mit anschliessenden Achtelfinals. Immer wieder begegnen mir die bekannten Gesichter von «Eichelwald». Ein bisschen drücke ich ihnen schon meine Daumen, fähne aber auch für den gelben K3. Ein Lächeln eines Barrakubas blitzt durch das Kubbermeer, welche sich gerade einem Unentschieden gegen Maulino widmen. Ich kann mich nur schwer entscheiden, welchem ich einen Liga-C Triumph mehr gönne.
 
Eine Hand klopft mir auf die Schulter. Mir werden zwei Wurfhölzer gereicht, mit den begleitenden Worten, dass ich wohl jetzt dran wäre. Lange hält meine Konzentration aber nicht. Der feine Duft der Mittagspause lenkt mich ab. Ich habe ein wenig Appetit. ‹À petit› sozusagen, wir sind ja nah am Röstigraben. Nach einer deftigen Portion Ghackets mit Hörnli versuche ich meinen Fokus wiederzufinden.
Nur einen Augenblick später stecken wir schon mitten in den Zwischen-Hoffnugsrunden. Mir fällt der grosse Punkteunterschied zwischen den Gruppen auf. Während in unserer Gruppe die Spanne mit 30 Punkten Unterschied weit auseinander klafft, war es in der anderen mit nur 18 Punkten Differenz, ein knappes Rennen. Kein Wunder, denke ich, ist doch dort die heissblütige B-Liga-Prominenz vertreten.
 
Während ein Kubbaner mit dem Drittel eines Zeltes, inklusive Schaf, schon auf der Alm des Viertelfinals steht, verirrte sich M.Gianoli am Vortag wohl in eine Hafenkneipe. O.M.G. Der achte Rang nach neun Runden reichte gerade so für einen Einzug in die Endrunde. Auch AkKUBBohrer mühten sich durch die Zwischenrunde der Qualifikanten und rutschten von Gruppenrang Eins auf den vierten Platz zurück, was die Chancen für die Gegnerwahl zunichte machte.
Ebenfalls unglücklich erwischte es Smetterling, die Beeländis weiterreichen und M. Gianoli wählen.
 
Ich suche mir einen schattigen Platz und schaue zu, wie der ‹Päckli-Fisch-Mix› die original-besetzten MaLuMa vom Platz fegt und der Schafszeltkubbaner kurzerhand seine Artgenossen bodigt.
Dem Mellinger-Team hat die Mittagsruhe wohl nicht geholfen. Nach einem verschossenen Königswurf zum möglichen Break holen stattdessen die konstanteren Beeländis am Ende doch Fortuna auf ihre Seite und ziehen ins Halbfinal ein. Bleibt noch der zögerliche M. Gianoli, der sich an einem kunterbunten Sommervogel abarbeitet, langsam munter wird und am Ende verwundert seine müden vier Augen reibt. Für ihn ist es der erste Halbfinal. ‹Oh mein Gott›, fährt es mir durch mein träges Hirn und ich muss lächeln bei dem Gedanken, dass ‹Tent it up› zu zwei Dritteln im Halbfinal steht.
Zur Sicherheit reibe ich mir auch die Augen und schwenke meinen Blick in Richtung Schittli-Cup.
 
Wohlwollend nehme ich wahr, das die Favoriten allesamt klar und deutlich das Halbfinal erreichen konnten. Ein freundliches Barrakubba-Lächeln funkelt aus einem verlorenen Halbfinal gegen eine ‹Eichelwald-Dampfwalze›. K3, die letzten ihrer Art, zelebrieren einen Ruf der Erleichterung und einen herzlichen Hand-Shake mit den unterlegenen Maulinho´s. Ich schwanke jetzt erst recht hin und her, wem ich meine müden Daumen drücken soll. Zur Ablenkung und um meine unnötige Entscheidung zu vertagen widme ich meine Aufmerksamkeit den Halbfinalisten im Schwarzbuebe-Cup.
 
M. Gianoli schien nun vollends munter zu sein. Seine vier Augen fixierten abwechselnd präzise eingeworfene Haufen, Basekubbs, sowie Maschine Hennessy, der unnachgiebig dem Kubbaner im Schafszelt einschenkt. Mit dem fallenden König zum 3:0 wich Gianoli’s Anspannung einem gelöst-glücklichen Jubeln mit gelegentlichem Hüpfen. Ich kann seinen Blick nun förmlich lesen: ‹Oh mein Gott, ich will gewinnen›. Verwundert und ungläubig über das soeben Geschehene wende ich mich den letzten Zügen im zweiten Halbfinal zu.
Beeländis legt zum 2:2 Break auf. Doch Fortuna wechselt die Seiten und verhilft den Postboten zum Finaleinzug.
 
Derweil läuft schon das Grande Finale im Schittli-Cup. Eichelwald behauptet bis zum Schluss seine 2:0 Serie. K3 zieht am Ende zwar den Kürzeren, kann aber den ersten Podestplatz der Saison nach Hause bringen. Am Rande der Arena bäumt sich Maulino ein letztes Mal erfolglos gegen die freundlichen Barrakubbas auf, die sich in der zweiten Begegnung durchsetzen können und das Podest, sowie ihr Medaillen-Set komplettieren.
 
Büsserach 26 Schittli
Eichelwald Winner 110
K3 Final 88
Barrakubbas 3. Platz 72
Maulino Halbfinal 55
Föif1 Viertelfinal 19
Nioukubbs Team I Viertelfinal 19
Freschönettis Viertelfinal 19
Kubbaneros Viertelfinal 19
 
Die Sonne hat mittlerweile das gegenüberliegende Ende des Horizonts erreicht. Orange-goldene Fäden webt sie in anthrazit-verschleierte Luftschwaden. ‹Schwer einzuschätzen› ziehen mir die Wortfetzen eines davongeflogenen Smetterlings durch mein träges Hirn. ‹Wirklich schwer einzuschätzen dieser M. Gianoli›, geformt aus Olivia und Scaddy, mit einem Schuss Hennesy im Gepäck.
Und dann spielen sie ganz gross auf. Ich staune immer wieder über Scaddy’s Basequote, über Olivia, die über sich hinauswächst und konstant-souverän die Kubbhaufen abräumt sowie über den Hafenkneipenmaschinist, der roboter-artig seinen Job erledigt. Aber ‹Päckli-Fisch› haben noch nicht alle Packungen verteilt. Beide schenken sich nichts und so wird breaklos das Maximum an Sätzen gespielt, was dank gewonnenem Anspiel M.Gianoli den erträumten ersten Turniersieg beschert. Gratulationen und Jubel fliegen der überglücklichen Lustwil-Combo zu. Schwer zu ignorieren, das sie diesen Moment so lang wie möglich auskosten möchten. Sie sind die ersten, die sich auf der neuen Trophäe des Schwarzbuebe Cup verewigen können.
Im kleinen Final kann sich das ‹Kubbaner im Schafszelt›-Trio den dritten Rang sichern und verweist Beeländlis auf den undankbaren vierten Rang.
 
Büsserach 26 Schwarzbuebe
M. Gianoli Winner (Verzicht 1/3) 120
Päcklidienst Final (Verzicht 1/3) 96
Kubbaner im Schafszelt 3. Platz 78
Beeländlis Halbfinal 60
MaLuMa Viertelfinal 22
Kubbaner II Viertelfinal 22
Smetterling Viertelfinal (Verzicht 1/3) 15
AkKUBBohrer Viertelfinal (Verzicht 1/3) 15
 
Es ist spät geworden, was wohl auch auf das Gemüt so mancher Fahrgelegenheiten schlägt, steht doch noch das erste Schweizer WM-Spiel an.
Meine nie ganz verflogene Müdigkeit nimmt langsam wieder Besitz von mir. Es wird Zeit meine transferierten Mitfahrer einzusammeln und den Rückweg durch das märchenhafte Balsthal anzutreten. Endlich daheim fülle ich mein Kissen mit Träumen von einem triumphierenden M.Gianoli, auf den Brettern des Palettenpodest’s, dass die Kubbwelt bedeutet, einer längst vergangen KUBB Schweizer Meisterschaft und dem unvergesslichen EKC in Linz.
Ein grosses Dankeschön an die unermüdliche Schwarzbuebe-Crew, die zum fünften Mal bewiesen haben, dass sie Kubb-Turnier können.
 
Weiter geht die Kubbtour mit dem Sprysse Cup, der sich sehnlichst paar mehr Anmeldungen wünscht.
Nach dem Ferien-Break winkt dann das WKO from the ‹Top of Winti-Town› dem Kubbtour-Tross entgegen.
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