Isabelle Widmer | 2 September 2026
Longevity am Chilebückli: zwanzig Jahre Tenedokubb, achter Streich für Umami
Zwanzig Mal. Zwanzig Mal haben zwei Brüder aus Bad Zurzach nun schon das Chilebückli hergerichtet, Felder abgesteckt, das Bier kalt gestellt und die Kubbschweiz zu sich hinaufgebeten. Dass es diese zwanzigste Ausgabe überhaupt gibt, war dabei alles andere als selbstverständlich. Vor fünf, sechs Jahren stand der Tenedokubb kurz davor, hingeschmissen zu werden. Der Aufwand war gewachsen, Safety Mäge und Gönck waren inzwischen Familienväter, und irgendwann ist auch die schönste Tradition vor allem eines: Arbeit. Dass sie weitermachten, lag an der Unterstützung aus der Szene. Rundherum sei seither kaum etwas gleich geblieben, sagt Safety Mäge über die zwei Jahrzehnte: Das Niveau lasse sich mit früher nicht vergleichen, die Topteams gingen die Sache heute professionell an, und der ganze Sport sei grösser geworden. Nur eines eben nicht: «Wir sind uns treu geblieben.» Zum Jubiläum reisten 40 Teams nach Bad Zurzach – es hätten mehr sein können: 45 Anmeldungen gingen ein, für die letzten blieb nur die Warteliste. Gespielt wurde bei Spätsommersonne auf dem Chilebückli, der Anhöhe über dem Rhein, wo die Verena-Kapelle und altes Gemäuer gleich hinter den Feldern stehen. Der Platz liegt auf dem Gelände des spätrömischen Kastells Tenedo – daher der Name des Turniers.

Auf dem Chilebückli sitzt das Publikum dicht am Feld – die Verena-Kapelle im Rücken.
Und genau darin liegt das Rezept des Tenedokubb: Es braucht gar nicht viel. Ein schöner Platz, sauber gesteckte Felder, eine Bar und gute Musik – mehr ist nicht nötig, damit ein Turnier so gut ist, wie dieses es ist. Bad Zurzach setzt konsequent auf diese Reduktion aufs Wesentliche. Dass die Kubbschweiz das schätzt, zeigt die Warteliste. Die Vorrunde wurde im Schoch-Modus ausgetragen, danach ging es in den Viertelfinals um alles.
Verena Cup: Durstigs Hölzli mogelt sich zum ersten Titel
Der Liga-C-Cup ist nach der heiligen Verena benannt, der die Kapelle auf dem Turniergelände geweiht ist. Zwölf Teams spielten um den Pokal, und zuoberst. landete ein Team, das dort noch nie gestanden hatte: Durstigs Hölzli mit Aline, Alain und Thomas holten sich den ersten Turniersieg ihrer Geschichte. Im Final setzten sie sich in einer engen Kiste gegen Schlofwandler durch – und das will etwas heissen: Die Routiniers standen in dieser Saison in allen vier Turnieren, die sie bestritten, mindestens im Halbfinal. Barrakubbas komplettierten das Podest. Aline nahm den Erfolg mit der angemessenen Portion Understatement entgegen: «Wir haben uns ins Finale durchgemogelt.» Man darf ihr das glauben oder auch nicht. Auf dem Pokal steht am Ende trotzdem Durstigs Hölzli.

Aline, Alain und Thomas gewinnen den Verena Cup – der erste Turniersieg ihrer Teamgeschichte
Durstigs Hölzli ![]() |
Winner | 80 | |
Schlofwandler ![]() |
Final | 64 | |
Barrakubbas ![]() |
3. Platz | 52 | |
| KUBB YOU | Halbfinal | 40 | |
| De Eint, de Ander und Diese | Viertelfinal | 10 | |
| Flenya | Viertelfinal | 10 | |
| Maulino | Viertelfinal | 10 | |
| tres locos | Viertelfinal |
10 |
Tenedokubb: Öpfelbaum wagt es – und scheitert doch
28 der 40 Teams spielten im oberen Tableau – und das ist eine Ansage. Auf der Kubbtour ist sonst meist der Liga-C-Cup der grössere Anlass; auf dem Chilebückli ist es umgekehrt, und zwar deutlich. Bad Zurzach ist vor allem eines: ein Pflichttermin für die Topteams. Entsprechend hochkarätig war die K.-o.-Phase. In den Viertelfinals lieferten sich Tent it up und Smetterling ein Herzschlagduell, das die Badener erst im fünften Satz für sich entschieden. Öpfelbaum musste gegen die Kubbaner II ebenso hart arbeiten und gewann ebenfalls mit 3:2. Die Lit setzte sich gegen ein Breitizone durch, das mit Rebi in nicht ganz gewohnter Besetzung angetreten war, und Umami machte mit Beeyond das, was Umami in dieser Saison mit allen macht. Beide Halbfinals wurden dann eng und hart umkämpft. Tent it up spielte gegen Umami phasenweise unter dem eigenen Niveau, es blieben Kubbs stehen – und trotzdem hing die Partie bis zuletzt in der Schwebe. Entschieden wurde sie schliesslich im Mighty-Finisseur, 3:2 für Umami. Im anderen Halbfinal behielt Öpfelbaum gegen Die Lit mit demselben Resultat die Oberhand.
Im Final trafen damit Umami und Öpfelbaum aufeinander – die alten Hasen mit viel Turniererfahrung. 32 Turniersiege stehen im Palmarès der Aargauer, im ewigen Medaillenspiegel der Kubbtour Rang zwei hinter Breitizone. Der letzte davon datiert allerdings vom Juni 2022, der letzte auf dem Chilebückli von 2021. Auf der anderen Seite des Feldes stand ein Team, das in dieser Saison noch kein einziges K.-o.-Spiel verloren hatte. Es wurde ein grosses Spiel. Fünf Breaks, Satz um Satz auf Messers Schneide, ein Publikum, das sich mit jedem Durchgang klarer auf eine Seite schlug. Und am Schluss stand es 3:2 für Umami. Wieder. Im kleinen Final setzte sich Tent it up gegen Die Lit durch. Für die Youngsters bedeutet das den dritten vierten Platz in Folge am Tenedokubb – eine Serie, die man sich nicht aussucht.

Preise, Pokale und ein voller Chilebückli: die Siegerehrung des zwanzigsten Tenedokubb.
Umami ![]() |
Winner | 190 | |
Öpfelbaum I ![]() |
Final | 152 | |
Tent it up I ![]() |
3. Platz | 124 | |
| Die Lit | Halbfinal | 95 | |
| Beeyond | Viertelfinal | 44 | |
| Kubbaner II | Viertelfinal | 44 | |
| Breitizone | Viertelfinal (Verzicht 1/3) | 30 | |
| Smetterling | Viertelfinal (Verzicht 1/3) | 30 |
«Wir wissen nicht, ob es der Last Dance ist»
Es war der achte Turniersieg von Umami in dieser Saison – bei acht Teilnahmen. Der Allzeitrekord von sechs Goldmedaillen (Tent it up 2025, Breitizone 2022) war schon vor Wochenfrist am Kubb Bash gefallen, jetzt steht die Marke bei acht. In der Jahresrangliste führen sie mit 1410 Punkten, mehr als doppelt so vielen wie der erste Verfolger. Was denn das Erfolgsrezept sei? «Longevity», lautet die Antwort – wörtlich: Langlebigkeit. Nonjimm erklärt, was damit gemeint ist: «Über drei Sätze kann man uns schlagen, aber über fünf nicht. Da ist unsere Ausdauer höher.» An diesem Samstag liess sich das nachrechnen: Halbfinal und Final gingen über fünf Sätze, beide endeten 3:2 für Umami. Nonjimm und Giulio betreiben neben dem Kubb Ausdauersport, und auch die übrigen Umami-Spieler sind sportlich unterwegs. Vielleicht zahlt sich genau das im fünften Satz aus.

Umami feiert den achten Saisonsieg im achten Turnier – die Hände links und rechts zeigen es an.
Abgenutzt hat sich das Gewinnen derweil nicht. «Jeder Sieg ist etwas Einzigartiges», sagt Jacky. Für Giulio war dieser hier sogar besonders wichtig: Es war der erste Turniersieg ohne Christoph Fischer – und damit die letzte Konstellation, in der Umami noch nie gewonnen hatte. Nun hat das Team in jeder Besetzung ein Turnier für sich entschieden. Nervöser habe sie das Fehlen des Fischs nicht gemacht, im Gegenteil – da sind sich alle drei einig: «Wir waren eigentlich motivierter.» Dass die eigene Dominanz dem Kubbsport schaden könnte, weisen sie zurück – mit einem Argument, das an diesem Tag zu besichtigen war. Man habe gemerkt, dass hier alle die Serie brechen wollten. Beim Final hätten Teilnehmende und Publikum mitgefiebert, dass Öpfelbaum es endlich schafft. Genau das treibe die Szene an: neue Teamkombinationen, die mit richtig Bock antreten, um Umami zu schlagen. Der eigene Ruf laufe inzwischen mit aufs Feld, und den könne einem niemand mehr nehmen. Und nächstes Jahr? Dazu gibt es keinen Kommentar. Nur den Satz, der über dem Rest der Saison hängen bleibt: Man wisse ja nicht, ob dies hier der Last Dance sei.
Danke – und weiter geht's
Zu danken ist zwei Brüdern, die seit zwanzig Jahren dasselbe tun, ohne dass es je selbstverständlich geworden wäre. Wie lange noch? «Noch ein paar Jahre», heisst es – mehr wird nicht versprochen. Danach bräuchte es Nachwuchs: die eigenen Kinder oder jemanden aus der Szene, der übernimmt. Man möchte es ihnen wünschen, und der Kubbtour erst recht.

Safety Mäge und Gönck, das Brüderpaar hinter dem Tenedokubb, zeigen die Zahl des Tages.
Weiter geht es am kommenden Wochenende in Leuggern. Am Freitag steht der 11. Bâton d'Or an, tags darauf der 14. KCUA-Cup und das Sieger der Herzen. Beide Samstagsturniere sind bis auf je einen Platz ausgebucht: Mit zusammen 129 angemeldeten Teams könnte es in Leuggern zum Teilnehmerrekord kommen.








